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Meine Kindheit hörte da auf, wo mein Leben begann. Im Krankenhaus, vielleicht auch schon ein paar Monate früher. Und vielleicht war das so für mich bestimmt oder habe ich es mir selbst ausgesucht? Immer wieder habe ich mir diese Frage gestellt. "Bin ich selbst dafür verantwortlich, dass mein Leben mir gehört und dass ich ich geworden bin und nicht jemand anderes?". Heute weiß ich die Antwort, aber wenn man noch klein ist, dann glaubt man der Realität, die einem vorgelebt oder vorgespielt wird.

Kennst du das Gefühl, wenn du festgebunden wirst, damit du aus deinem Bett nicht mehr aufstehen kannst? Ehrlich gesagt kann ich mich nicht so recht daran erinnern. Nur noch an das Gefühl. Und das tat schon weh und das tut es auch immernoch. In meinen Gedanken sehe ich ein dreijähiges Mädchen, das nicht schlafen möchte, weil es Angst hat und aus Bequemlichkeit der Eltern an sein eigenes Bett gefesselt wird, damit es nicht mehr aufstehen kann. Aber wenn man sich nicht bewegt, dann spürt man seine Fesseln nicht. Irgendwann siegt die Müdigkeit und man schläft unbequem ein, mit dem Wissen, sich nicht im Schlaf bewegen zu können. Beim ersten Mal schreit man und weint und hat Angst. Aber nach ein paar Malen ist es wie als wäre es nie anders gewesen.

Schonmal etwas von inkonsistentem Verhalten gehört? Das haben Eltern, die ihre Kinder einmal für Dinge bestrafen und ein anderes Mal ist es ihnen egal. Man kann also nie wissen, was richtig ist und was falsch. Man muss einfach nur verdammt schnell rennen können. Schneller als die Eltern. Nur blöd, wenn man sein Zimmer nicht abschließen kann. So oft bin ich gerannt und war auch schnell genug in meinem Zimmer, aber mein kleiner Körper war einfach nicht stark genug gegenüber dem meines Vaters, der mich beiseite geschoben und an die Wand gedrückt hat. Geweint habe ich aber irgendwann nicht mehr. Das hat ihn nur befriedigt und darin bestärkt, das Richtige getan zu haben.

Es gibt da so eine Studie, die mit Affen durchgeführt wurde. Schlimm genug. Einmal haben sie ein Affenbaby alleine in einem Raum gelassen mit einem Gitter. Es hat sich daran festgehalten, wie als wäre es sein Mama gewesen. Gefüttert wurde es auch. Bei dem nächsten Versuch haben sie ein Affenbaby an dem gleichen Gitter hängen lassen. Auch das war ganz alleine in diesem Raum. Das Affenbaby bekam viele Stromstöße, lies jedoch nicht los, weil es das Gitter für seine Mama hielt. Und das kleine überlebte. Bei dem dritten Versuch haben sie ein anderes Affenbaby in einen Raum ohne Gitter gebracht. Es wurde ebenso ausreichend gefüttert. Aber es starb. Was will uns diese Studie sagen? Im übertragenen Sinn will sie damit sagen, dass kleine Babys ohne ihre Mütter so schutzlos sind, dass sie ohne "Liebe" nicht überleben können und dass selbst wenn die Eltern noch so schlimm sind, immernoch die Eltern sind und mit Eltern eigentlich Urvertrauen verbunden ist und "Liebe".

Ich habe deren Lügen und Realität einfach geglaubt. Glaub mir, etwas anderes bleibt einem nicht übrig, wenn man überleben möchte. Einfach nur überleben und irgendwann eigenständig sein. Aber das allerwichtigste war für mich, dass ich genau das Gegenteil von meinen Eltern werden wollte. Dass das so nicht funktionniert ist einem 5 jährigen kleinen Mädchen nicht klar.

Viele Stunden habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, wieso ich das alles überlebt habe und eigentlich ist es mir doch schon klar gewesen. Ich habe, wenn es ganz schlimm war die Augen zugemacht und daran geglaubt, dass alles gut wird und dass ich nur träume.
Am meisten habe ich mich davor erschreckt, dass ich manchmal das Gefühlt hatte, die ganze Welt umarmen zu können. Mein ganzer Körper war in diesen Momenten erfüllt von Liebe, die ich unbedingt weitergeben wollte. Aber da war niemand, der sie haben wollte. Erst wollte ich die ganze Welt umarmen und dann fühlte ich mich doch zu winzig dafür.

15.9.07 23:08
 


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